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Ein Wiki-Projekt an der Universität Wroclaw

in: http://wochenblatt.pl/sie-geben-das-wissen-zurueck/

Sie geben das Wissen zurück

von Łukasz Biły

Publiziert am

Meistens ist es so, dass für Studenten der erste Anlaufpunkt um Wissen zu erwerben, das Internetportal Wikipedia ist. In Breslau ist es hingegen umgekehrt. Dort hat nun eine Gruppe von Germanistikstudenten eine offizielle Kooperation aufgenommen und liefert dem polnischen Leser Informationen zur deutschen Kultur.

„Es ist kein Geheimnis, dass Studenten und nicht nur diese auf Wikipedia zugreifen, wenn sie ihr Wissen erweitern wollen. Bei solcher Suche, wurde uns auf einmal klar, dass viele und wichtige Begriffe der deutschen Kultur und Literatur in den polnischsprachigen Einträgen gar nicht zu finden sind“, sagt Dr. Monika Wolting, die seitens der Universität Breslau die Kooperation koordiniert. Über ihre Gedanken sprach Dr. Wolting mit ihren Studenten, die sich übrigens besonders gerne auch außerhalb des Standardunterrichts engagieren. Daraufhin entstand die Idee eine Gruppe zu gründen, die sich mit dem Übertragen von Texten in Wikipedia befassen wird. Der gemeinsame Nenner dieser Texte sollte alles sein, das die Studenten liefern können und das mit der deutschen Kultur und Literatur verbunden ist. Als die Akademikerin genügend Interessierte fand, nahm sie Kontakt zu Wikimedia Deutschland  – dem Verwaltungsorgan von Wikipedia – auf. Hier ließ man sich nicht lange um eine Zusammenarbeit bitten.

Erstellen und ergänzen

„Wir haben im Rahmen des Studiums das Wissen rund um die deutsche Kultur und Literatur erlangt, deswegen ist es sozusagen an uns dieses Wissen an Menschen, die nicht Germanistik studieren weiterzugeben“, sagt Studentin Klaudia Żyto. Die Art und Weise wie die Studenten ihr Wissen im Rahmen von Wikipedia vermitteln, beruht auf zweierlei Art. Erstens erstellen die Jugendlichen neue Artikel in den Bereichen, in denen noch komplett kein Wissen auf dem Portal vorhanden ist, zweitens ergänzen oder ändern Sie aber auch die schon bestehenden Einträge, die oft kleinere oder auch schwerwiegende Fehler beinhalten. Monika Wolting macht dabei kein Geheimnis daraus, dass viele der neuen Einträge auf den Magisterarbeiten der Studenten basieren. Dies seien seriöse Quellen, denn sie werden ja von Akademikern der Universität Breslau betreut und geprüft. Das Verfassen von Artikeln beruht jedoch nicht nur auf das Kopieren von Texten. Bei speziellen Workshops, bei denen neue Einträge besprochen werden, wird dem Wissen auch unter Aufsicht der Lehrer der letzte Schliff gegeben, bevor es publiziert wird.

Welche Einträge haben die Studenten bereits ergänzt? Natürlich vor allem die Texte im Interessenbereich der Germanistikstudenten. Zu erwarten sind deshalb vor allem literarische oder sprachwissenschaftliche Texte: „Ein Artikel, den wir schon verfasst haben, ist beispielsweise der über Niklas Luhmann. Es wundert mich, dass bisher das Thema dieser Gestalt noch nicht bearbeitet wurde“, sagt Monika Wolting. Niklas Luhmann zählt zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Soziologie. Nicht nur, dass er einen wichtigen Beitrag für die deutsche Wissenschaft geleistet hat, sondern seine Mitarbeiter haben auch einen Preis für besondere Errungenschaften nach ihm benannt. Deswegen sei es wichtig, dass die Studenten auch gezielt solche Persönlichkeiten den polnischen Lesern bekanntmachen, meint Monika Wolting.

Das neue Angebot sei nach Monika Wolting nicht nur ein Beitrag für die Wissenserweiterung der polnischen Bevölkerung, wenn es um die deutsche Kultur geht, sondern passt auch stark in das Bildungsprofil der Breslauer Universität: „Wir hier in Breslau sind der Auffassung, dass zu einem Germanisten nicht nur die Sprache, sondern auch eine prodeutsche Charaktereinstellung gehört. Er soll auch die Kultur und Literatur Deutschlands kennenlernen  und somit seine Horizonte erweitern“, sagt Monika Wolting.

Am Projekt der Zusammenarbeit mit Wikipedia nehmen im Moment 20 Studenten teil.

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