Internationales Christa-Wolf-Zentrum

Über das ICWZ

Internationales Christa-Wolf-Zentrum

Leitung: Prof. Dr. Carsten Gansel/Gießen und Prof. Dr. Monika Wolting/Wrocław)

 

Das Internationale Christa-Wolf-Zentrum für deutsche und polnische Gegenwartsliteratur und -kultur versteht sich als ein internationales und interdisziplinäres literatur- und kulturwissenschaftliches Forschungszentrum. Dass das Zentrum den Namen von Christa Wolf trägt, hat viele Gründe: Christa Wolf ist jene Autorin in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, die nicht nur in “Kindheitsmuster“ (1976) gezeigt hat, dass eine „Bewältigung“ des Vergangenen nicht möglich ist, sondern das Eingedenken – auch von deutscher Schuld – eine Aufgabe ist, die vor jeder Generation auf neue Weise steht. Zudem hat Christa Wolf generationenübergreifend von der Schwierigkeit erzählt, „Ich“ zu sagen. Über das Prinzip der subjektiven Authentizität fand Christa Wolf Möglichkeiten, auch dem „blinden Fleck“ der Figuren bzw. der eigenen Person nachzuforschen, mithin der „eigenen Wahrheit ohne Angst ins Gesicht zu sehen“. Für diesen mitunter quälenden Prozess der Selbstbefragung ist Christa Wolf bis an die „Grenzen des Sagbaren“ gegangen und hat nach literarischen Formen gesucht, die dem „Gewebe menschliche Beziehungen am nächsten kommen“. Mit und durch Christa Wolfs Stimme haben viele sich selbst gefunden.

Gemeinsam mit Ryszard Kapuściński hat Christa Wolf 1999 den Samuel-Bogumił-Linde-Preis der Partnerstädte Göttingen und Toruń erhalten. Mit dem Preis werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, „deren Wort Ideale und Werte schafft, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen“. Christa und Gerhard Wolf haben das Gespräch vor und nach 1989 mit hohem persönlichen Engagement immer wieder befördert, auch durch gemeinsame Aktivitäten in Polen: Bereits 1995 hat Christa Wolf als Gast des Goethe Instituts zunächst in Krakau und dann in Gdańsk an einer Diskussionsrunde mit Günter Grass und den polnischen Autoren Paweł Huelle und Andrzej Szczypiorski teilgenommen, in der es um das deutsche und polnische Kulturerbe 50 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ging.

Dem von Christa und Gerhard Wolf verfolgten Ansatz, ein internationales Gespräch zu befördern, fühlt sich das Zentrum verpflichtet, das neben Arbeiten zum Werk von Christa Wolf auch der deutschen und polnischen Gegenwartsliteratur und -kultur nachgeht. Dabei spielen u.a. folgende Fragen eine Rolle:

  • In welcher Weise inszenieren literarische Texte den geschichtlichen Transformationsprozess in Europa nach 1989? Antworten sie direkt auf aktuelle Veränderungen in den deutsch-polnischen Beziehungen oder konterkarieren sie diese erinnernd mit vergangenen nationalen Bildern?
  • Beim Blick auf aktuelle Entwicklungen zeigt sich einmal mehr, dass literarische Texte eben nicht nur tradierte Bilder des Eigenen wie Fremden archivieren, mithin Ausdruck der jeweiligen Erinnerungsgemeinschaften und Erinnerungskulturen sind, sondern auch ein spezifisches Provokations- bzw. Störungspotential entfalten, indem sie Bilder des Anderen liefern, die jenseits der Political Correctness stehen können. Gibt es Beispiele und wenn ja, in welcher Weise werden sie in der polnischen und deutschen Öffentlichkeit reflektiert?
  • Die Fähigkeit, in Geschichten zu kommunizieren gehört zu einer anthropologischen Konstante des Menschen und ist auch von Christa Wolf immer wieder betont worden. Die sogenannte narrative Intelligenz ist von entscheidender Bedeutung für die Herausbildung dessen, was man Identität nennt. Mit anderen Worten: Das Entstehen des Selbst ist nur möglich über eine kontinuierliche sprachlich-narrative Konstruktion. Es ist zu fragen, wie ablaufende Veränderungen in der Wahrnehmung des Fremden wie auch des Eigenen die Identität des Einzelnen beeinflussen und wie dies in Geschichten zum Ausdruck kommt.

 

 

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Beirat

Beirat des ICWZ Die Arbeit des ICWZ wird von einem international besetzten wissenschaftlichen Beirat begleitet. Der Beirat unterstützt und berät die Leitung des Zentrums. Zu seinen Aufgaben gehört die jährliche Organisation eines internationalen Workshops für Doktoranden. Prof. Dr. Florentine  Strzelczyk (University of Calgary, Kanada Prof. Dr. Cheryl Dueck (University of …