Klassiker (in) der Gegenwart

Tagungen

Literatur- und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf ein ästhetisches und gesellschaftliches Phänomen

Eine Tagung des Instituts für Germanistische Literaturwissenschaft und des Projekts Klassik – Popularität – Krise der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Prof. Dr. Stefan Matuschek, Dr. Paula Wojcik) und des Instituts für Germanische Philologie der Universität Wrocław (dr hab. Monika Wolting).
Wrocław, 12-14 Mai 2016

Die großen, kanonisch gewordenen Nationalklassiker prägen bis heute das nationale Selbstverständnis, werden in Krisenzeiten als Orientierungsgrößen angeführt und in Jubiläen publikumswirksam inszeniert. Sie sind im kulturellen Transfer zu Flaggschiffen ihrer Nationen geworden, repräsentieren die jeweilige Kultur und dominieren manchmal ihr Bild. Sie werden in breiten Gesellschaftsschichten rezipiert, über unterschiedliche kulturelle Räume, Milieus und historische Kontexte hinweg institutionalisiert, medialisiert und dabei jeweils unterschiedlich funktionalisiert. Als kulturelle Ikonen werden sie nahezu universell anerkannt, besitzen zugleich in unterschiedlichen Zusammen-hängen konkrete, differierende Funktionen.

In einzelnen Fallstudien soll im Rahmen der Tagung der Frage nachgegangen wer-den, wie Klassiker in einem Spannungsfeld aus breiter, konsensueller Anerkennung und einem damit verbundenen allgemeinen Geltungsanspruch einerseits und partikularen Funktionen für einzelne Zielgruppen und in unterschiedlichen soziohistorischen Kontexten andererseits verortet werden können.
Von besonderem Interesse ist die Zäsur 1989, weil sich im Zuge der politischen und kulturellen Neuordnung auch eine Neuformierung des Klassikerkanons, eine Emergenz neuer Klassiker sowie veränderte Ansprüche an die Funktionalität von Klassikern beobachten lassen. Diese Veränderungen gilt es in einer dezidiert komparatistischen Perspektive innerhalb der europäischen Kultur nachzuvollziehen, wobei besonders Beiträge mit einem Fokus auf Deutschland und/oder Polen wünschenswert sind.
Zur Orientierung können folgende Frage-komplexe dienen:
 Welche Funktion(en) erfüllen Klassiker in jeweils unterschiedlichen soziohistorischen Kontexten seit 1989?
 Wie lässt sich die Spannung zwischen ihrer Allgemeingültigkeit und der partikularen Funktion innerhalb von einzelnen Bezugsgruppen erfassen?
 Welche Funktionsmechanismen und Bezugsebenen lassen sich am kulturellen Transfer von Klassikern erkennen? Lassen sich hier Ansätze der Debatten um Weltliteratur fruchtbar machen?

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