Aktuelle Entwicklungen in der KJL

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Realistisches Erzählen und aktuelle Entwicklungen in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur

Das ProgrammProgramm Realistisches Erzählen Stettin 2015_

Neuer Realismus? Diskussionen um dieses Phänomen entfachten nach dem 2011 veröffentlichten Essay Reality Hunger von David Shield. Der Autor warnt vor der Rückkehr zur literarischen Erzähltradition des 19. Jahrhunderts, die er in den kulturpolitischen Kontext der Globalisierung und zunehmender Vereinheitlichung des Lebens setzt, doch die eindeutige Bestimmung, wann diese Erscheinungen eingetreten sind, ist selbstverständlich unmöglich. Die Gegenwartsliteratur sucht stets nach entsprechenden ästhetischen Verfahren und Ausdrucksmöglichkeiten, um die neuen Tendenzen, so u.a. die digitale Wirklichkeit, erzählbar zu machen. Können die tradierten Erzähl- und Interpretationsmuster, die herkömmliche Motiv- und Themenauswahl sowie die künstlerische Ästhetik von Moderne und Postmoderne ihre Gültigkeit noch behalten? Bei der Annahme, die Literatur spiele eine wichtige Rolle als Seismograph gesellschaftlicher Entwicklung, dürfen sowohl Veränderungen erzählerischer Verfahren als auch neue Gestaltungsprinzipien alltäglicher Phänomene (etwa Fragestellungen innerhalb der Themenkomplexe, wie Lebensphilosophie, Innerlichkeit, Familie, Berufswelt, Besitzverhältnisse), ein verändertes Figurenrepertoire, Neuakzentuierungen innerhalb der Gattungskonventionen und sprachlichen Gestaltung des Erzählten vorausgesetzt werden. Einen wichtigen Gegenstand der Literaturwissenschaft bilden auch die Nutzbarmachung der neuesten Informationstechnologien und Vernetzungsstrategien und ihr Einfluss auf den ästhetischen Umgang mit Schrift, Sprache und Literatur. Einerseits geben die digitalen Medien der Literatur Raum und stellen sie in einen veränderten prozessualen und kommunikativen Rahmen, anderseits nimmt die Literatur die digitale Realität in sich auf und passt sich der modernen medialen Welt an. Folglich sind viele heutzutage entstehende literarische Texte nur aus dem wechselseitigen Zusammenspiel des Technischen, Kommunikativen, Künstlerischen und Literarischen sowie aus den immer stärkeren wechselseitigen Beziehungen zwischen verschiedenen Medien, Kunst- und Literaturformen verständlich. Daraus erfolgt ein ästhetischer Mehrwert, der vielleicht dem neuen, modernen Realismus zugrunde liegt. Zu erfragen gilt also Folgendes: Ist der neue Realismus produktiv? Reichen postmoderne Ausdrucksmittel, so u.a. Verschmelzung der Textsorten oder intertextuelle Bezüge, aus oder sollten andere Formen und Narrative erarbeitet werden, um den literarischen Texten der digitalen Ära Realitätseffekte zu verleihen? Greifen die Autoren nach der für neue Medien typischen Sprachökonomie? Resultieren aus der Ausdrucksweise etwaige Defiziterfahrungen oder Entfremdung bei den Lesern? Oder lassen sich Schriftsteller und Künstler auf die neue digitale und multimediale Wirklichkeit immer mehr ein und probieren die neuen Ausdrucksmöglichkeiten aus?

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„Kind einer schwierigen Zeit. Otfried Preußlers frühe Jahre“ von Carsten Gansel

Mit Kind einer schwierigen Zeit. Otfried Preußlers frühe Jahre ist Carsten Gansel eine augenöffnende biographische Spurensuche gelungen. Er fand bislang gänzlich unbekannte Dokumente, Fotos aus Kriegsgefangenenlagern und unveröffentlichte Texte Preußlers und zeichnet das bewegende Bild eines Autors, dessen Lebensgeschichte auf existenzielle Weise mit den Zeitläufen des 20. Jahrhunderts verwoben ist. …

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1968 – Ost – West — Deutsch-deutsche Kultur-Geschichten

Carsten Gansel und Janine Ludwig (Hg.) Die 68er-Bewegung ist fast zu einem Mythos geworden, wobei sie in der öffentlichen Wahrnehmung bisweilen auf politische Schlagworte verengt wird. Demgegenüber versucht der vorliegende Band den Blick in verschiedene Richtungen zu lenken: Zunächst wird „1968“ in Zeiten des Kalten Krieges als Doppelphänomen in der …

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Schreiben, Text, Autorschaft II

Zur Narration und Störung von Lebens- und Schreibprozessen Carsten Gansel (Hg.),  Katrin Lehnen (Hg.),  Vadim Oswalt (Hg.) Neben eng auf die literarische Produktion bezogenen Fragen gewinnt Schreiben als Reflexionsmedium auch in anderen Konstellationen Bedeutung. In Selbstzeugnissen, Autobiografien, Tagebüchern und Briefen geben Schreibende Einblick in Alltagsbegebenheiten und Erfahrungen, Empfindungen und Gedanken und machen das …